Johann Pfeffinger, philippistischer Theologe: Am 27. Dezember 1493 in Wasserberg am Inn geboren, besuchte P. ab 1499 die Lateinschule in Annaberg, wurde 1515 Akolyth und 1518 Subdiakon in Salzburg. Bald darauf erreichte er den Weihegrad eines Diakons. Unter Dispens von der Vorschrift des Lebensalters zum Priester geweiht, nahm P. die Pfarrstellen in Reichenhall, 1519 in Saalfelden im Pinzgau und zwei Jahre später die Stiftspredigerstelle in Passau an. Wegen Sympathien zur Lehre Luthers geriet P. 1523 in den Verdacht der Ketzerei, floh nach Wittenberg und immatrikulierte sich dort am 15. November 1524. 1527 trat er seine erste Pfarrstelle als evangelischer Prediger in Sonnenwald an und blieb dort bis 1530. Vom Bischof von Meißen vertrieben, übernahm er die Predigerstelle am kurfürstlichen Kloster Eicha, wohin die Leipziger gingen, um die Predigt zu hören und das Abendmahl in beiderlei Gestalt zu empfangen. Ab 1532 als Pfarrer in Belgern tätig, nahm P. teil an der Einführung der Reformation in Leipzig am Pfingstfest 1539 und hielt dort am Pfingstdienstag die erste evangelische Predigt in der Nikolaikirche. Am 24. August 1540 wurde P. Superintendent von Leipzig. Dazu beauftragt, die Reformation in der Schönberger Herrschaft durchzuführen, hielt er am 18. Oktober 1542 die erste evangelische Predigt an St. Georg in Glauchau. 1541 erreichte P. den akademischen Grad des Baccalaureus, 1543 den des Licentiaten und wurde am 10. Oktober 1543 zum ersten Doktor der Theologie an der Universität Leipzig promoviert. Am 10. März 1544 begann er mit der Tätigkeit als Universitätsprofessor. Als solcher wurde er siebenmal Dekan und zweimal Vizekanzler der Universität. 1548 wurde P. Domherr in Meißen. Kirchlich tätig wurde er ab 1543 als Assessor des Leipziger Konsistoriums. 1544 war er Mitordinierender bei der Merseburger Bischofsweihe, war beteiligt an den Verhandlungen über das Interim im Jahr 1548 und nahm 1571 am Dresdener Konvent teil. 1548 war P. aktiv an der Umsetzung des Interim im ernestinischen Sachsen beteiligt. P. starb am 1. Januar 1573 in Leipzig und wurde am 3. Januar in der Nikolaikirche beigesetzt.
Bei einer Disputation in Leipzig vertrat P. 1550 die Position, hominem in conversione non esse truncum, sed posse voluntate sua cooperari, rief damit den synergistischen Streit hervor und schuf sich dadurch in Amsdorf und Flacius erbitterte Gegner. In fünf Artikel verfasst legte P. seine „Formula der Bekendnus“ am 3. Juni 1556 vor und schickte eine erweiterte Fassung am 23. Oktober 1556 nach Wittenberg.
RGG4 6, 1231.
RE3 15, 252–254.