Gallus, Nikolaus

(eigentlich Hahn)

 

 

geb. 1516 in Köthen, gest. 17.6.1570 in Liebenzell, luth. Theologe.

 

Geboren als Sohn des Bürgermeisters Hahn in Köthen, studierte G. ab 21.6.1530 in Wittenberg, legte 1537 die Prüfung zum Magister Artium ab und wurde 1540 Rektor der Stadtschule in Mansfeld. 1543 wechselte er als Diakon nach Regensburg, nachdem er von Johannes Bugenhagen ordiniert worden war, und wirkte mit am Aufbau des Kirchenwesens in der gerade erst protestantisch gewordenen Stadt. 1548 verfasste er ein ungedrucktes Bedenken auf das Interim und verließ die Stadt nach Einführung der kaiserlichen Maßnahmen. Nach Wittenberg zurückgekehrt, war er als Prediger und Dozent tätig, bevor er 1549 als Pfarrer an St. Ulrich nach Magdeburg berufen wurde. Dort wurde G. neben Matthias Flacius zu einem der kämpferischsten Vertreter der Gnesiolutheraner und fruchtbarsten polemischen Schriftsteller. Im Interimistischen und Adiaphoristischen Streit ergriff er ebenso das Wort wie in den Auseinandersetzungen um die Rechtfertigungslehren Andreas Osianders und Georg Majors oder in der publizistischen Bekämpfung Caspar Schwenckfelds. 1553 blieb er nach der Übergabe Magdeburgs anfangs dort, kehrte dann aber nach kurzer Tätigkeit in Köthen als Pfarrer und Superintendent zurück nach Regensburg. Dort war er bis zu seinem Tod tätig. Ein von ihm angestrebter Ausgleich mit Philipp Melanchthon scheiterte; der Melanchthonianer Martin Schalling musste auf Betreiben G.s die Stadt verlassen. G. unterstützte Flacius finanziell bei der Abfassung der Magdeburger Centurien und nahm den aus Jena Vertriebenen 1562-1566 in Regensburg auf, auch wenn er ihm im Streit um die Erbsünde nicht beipflichtete. Die Teilnehmer des Naumburger Fürstentages 1561 warnte er vor der calvinistischen Abendmahlslehre; mit Johannes Brenz geriet er wegen dessen vermittelnder Haltung im osiandrischen Streit aneinander. Daneben führte er auch die Auseinandersetzung mit den katholischen Theologen der Ingolstädter Akademie und bemühte sich um Unterstützung für die Protestanten in Salzburg.

 

 ADB, NDB, RE, RGG3, RGG4, TRE, BBKL, LThK

Deutsches Biographisches Archiv (DBA): I 367,327-332;II 425,258-259;426,95-104;III 279,227-228