Eber, Paul

 

 

geb. 8.11.1511 in Kitzingen, gest. 10. 12. 1569 in Wittenberg, luth. Theologieprofessor, Prediger

 

Eber wurde als Sohn eines Schneiders geboren, besuchte die Schulen in Ansbach und Nürnberg und studierte ab 1532 in Wittenberg, wo er sich schnell und zeitlebens an Philipp Melanchthon anschloss („Repertorium Melanthonis“). 1536 erwarb er den Magister Artium und begann zu lehren; 1541 erhielt er eine Professur. Seit 1544 lehrte er Physik und wurde 1546 Mitglied des Wittenberger Konsistoriums. In den Jahren des Schmalkaldischen Kriegs blieb E. in Wittenberg. 1557 wurde er Professor für Hebräisch und Schlossprediger. Im selben Jahr nahm er am Wormser Religionsgespräch als Notar teil. 1558 wurde E. zusammen mit Nikolaus Selnecker von Johannes Bugenhagen ordiniert und folgte nach Bugenhagens Tod diesem im Amt des Predigers an der Wittenberger Schlosskirche und als Generalsuperintendent nach. Im folgenden Jahr wurde er zum Dr. theol. promoviert und rückte 1560 in den Senat der Theologischen Fakultät ein. E. war ein der treuesten Schüler und engsten Mitarbeiter Melanchthons. Er verfasste eine Geschichte des jüdischen Volkes, ein Calendarium historicum, das weite Verbreitung fand, und eine Pliniusbiographie. Seit 1558 schrieb er vor allem theologische Werke, 1562 veröffentlichte er ein Bekenntnis zur Abendmahlslehre („Vom heiligen Sakrament…“). 1565 erarbeitete er zusammen mit Georg Major eine lateinisch-deutsche Parallelausgabe der Bibel, die den Vulgatatext anhand der Lutherübersetzung emendierte. 1568/69 nahm er am Religionsgespräch in Altenburg teil. Von seinen Liedern sind noch vier im EKG und zwei im EG vertreten.

Ebers Haltung im Abendmahlsstreit ist noch nicht ausreichend erforscht. Er lehnte mit Melanchthon die Ubiquitätslehre Johannes Brenz’ ab und scheint zumindest zeitweise mit der Lehre Johannes Calvins sympathisiert zu haben. Zumindest hat Caspar Peucer ihm vorgeworfen, seit dem Dresdener Konvent 1561 seine Meinung geändert zu haben. Jedenfalls vertrat E. seitdem ein vermittelndes Bekenntnis, das auf Luther und Melanchthon sowie die Wittenberger Konkordie zurückgriff, und versuchte zu vermitteln, indem er sich zwar von Zwinglianern und Calvinisten abgrenzte, aber ihre scharfe und ausgrenzende Verurteilung kritisierte. Damit zog er nicht nur die Kritik von Joachim Cureus und Zacharias Ursinus zu, sondern auch die Ablehnung der Flacianer.

 

 

ADB, NDB, RE, RGG3, RGG4, BBKL, LThK

Deutsches Biographisches Archiv (DBA): I 260,388-420;II 303,303-317;III 196,198-203