Johannes Brenz, lutherischer Theologe. Am 24. Juni 1499 in der Reichsstadt Weil der Stadt geboren, besuchte B. 1510 die Trivialschule in Heidelberg, 1511 die Lateinschule in Vaihingen/Enz, um sich im Oktober 1514 an der Universität Heidelberg zu immatrikulieren. 1516 erreichte er den akademischen Grad eines Baccalaureus der via antiqua, 1518 wurde ihm der Grad eines Magister artium verliehen. Im April 1518 lernte er zusammen mit Martin Bucer den Wittenberger Reformator Martin Luther bei dessen Heidelberger Disputation kennen. 1519 wurde er zu einem der Rektoren der Realistenburse in Heidelberg ernannt und avancierte 1520 zum Kanonikus an der dortigen Heiliggeistkirche. Im Herbst 1522 trat B. die Stelle des Predigers an der Michaeliskirche in Schwäbisch Hall an, in der er bis Juni 1548 tätig bleiben sollte. 1523 wurde er zum Priester geweiht. B. führte in den folgenden Jahren die Reformation von Schwäbisch Hall durch. 1525/26 verfasste er mit dem Syngramma Suevicum zusammen mit 13 anderen Predigern der Region eine Erklärung, die sich hinter die Abendmahlslehre Luthers stellte. 1529 nahm er am Marburger Religionsgespräch teil. Auf dem Augsburger Reichstag von 1530 ist er als ansbachischer Gesandter zu finden. Von 1537 bis 1538 lehrte B. für ein Jahr in Tübingen und nahm dort die Neuordnung der Universität im reformatorischen Sinne vor. Als Schwäbischer Gesandter nahm er 1537 an dem Tag in Schmalkalden, 1540 an den Religionsgesprächen in Hagenau und Worms und 1541 und 1546 an den Religionsverhandlungen in Regensburg teil. 1546 musste B. vor den kaiserlichen Truppen aus Schwäbisch Hall fliehen. Als die Stadt im Juni 1548 von der Armee Karls V. besetzt und das Interim eingeführt war, verließ B. die Stadt endgültig. Anfang 1552 nahm er mit der württembergisch-reichsstädtischen Theologengesandtschaft am Tridentiner Konzil teil. 1553 wurde B. Propst an der Stuttgarter Stiftskirche und herzoglicher Rat. Als erster Geistlicher des Herzogtums hatte er somit ein enges Verhältnis zu Herzog Christoph. Von 1553–1559 wurde die reformatorische Neuordnung der württembergischen Kirche vorgenommen, an deren Ende die württembergische Kirchenordnung (1559) stand. B. war zudem Gesandter Württembergs beim Wormser Kolloquium (1556) und auf dem Frankfurter Fürstentag (1558). 1564 war er beim Maulbronner Religionsgespräch zugegen, im Rahmen dessen sein Schüler Jakob Andreae mit kurpfälzischen Theologen über Fragen der Christologie und Abendmahlslehre disputierte und dabei die durch B. entwickelte Christologie der Allgegenwart der menschlichen Natur Christi vertrat. Am 11. September 1570 starb B. und wurde unter der Kanzel der Stuttgarter Stiftskirche beigesetzt.

 

TRE 7, 170–181