Jakob Andreae, lutherischer Theologe. Am 25. März 1528 in Waiblingen geboren, besuchte Andreae zunächst die dortige Lateinschule und das Pädagogium in Stuttgart, um sich 1541 in Tübingen als herzoglicher Stipendiat zu immatrikulieren. 1543 erwarb er den Grad des Baccalaureus, 1545 den des Magister Artium. In seinem bis Sommer 1546 andauernden Theologiestudium wurde Erhard Schnepf sein wichtigster Lehrer. Nach seiner Heirat trat er 1546 seine erste Stelle als Diakon in Stuttgart an, die er bis zu seiner Entlassung aufgrund des Interims 1548 innehatte. Während der Interimszeit wirkte Andreae als „Katechist“ in Tübingen. 1550 reichte er dem sterbenden Herzog Ulrich sein letztes Abendmahl. 1553 wurde Andreae Pfarrer und Superintendent in Göppingen und erhielt eine neu geschaffene Generalsuperintendentenstelle. Noch im selben Jahr wurde er zum Doktor der Theologie promoviert. In den Jahren 1553–1559 beteiligte er sich an der reformatorischen Umgestaltung Württembergs und umliegender Territorien. 1556 bemühte Andreae sich, eine Einigung mit Calvin und Beza in der Abendmahlsfrage zu erreichen. Da aber keine Seite von ihrer Position wich, scheiterten diese Bemühungen. Ende 1559 legte sich Württemberg im Stuttgarter Bekenntnis zur Christologie und Abendmahlslehre auf die Linie des Johannes Brenz fest. An dem Religionsgespräch in Poissy (1561) und den Verhandlungen Herzog Christophs mit den Guisen in Elsaßzabern nahm Andreae ebenfalls teil. 1562 wurde er zum Kanzler und Professor der Universität Tübingen und zum Propst der Stiftskirche berufen. Im selben Jahr wurde Andreae nach Weimar geschickt, um den synergistischen Streit um die Äußerungen Victorin Strigels beizulegen. Da Württemberg an guten Beziehungen zum Herzogtum Sachsen interessiert war, bewirkte Andreae eine Rehabilitation des Jenaer Theologen Strigel. 1563 zur Schlichtung des Konfliktes zwischen dem Lutheraner Johannes Marbach und dem calvinistisch lehrenden Girolamo Zanchi um die Prädestinationsfrage nach Straßburg gerufen, erreichte Andreae ein Einlenken Zanchis, der allerdings noch im selben Jahr die Stadt verließ. Das Maulbronner Kolloquium (1564), in dem Andreae die Württemberger Position gegen die Theologen der seit 1563 zum Calvinismus tendierenden Kurpfalz vertrat, führte zu keinem Erfolg. 1568 wurde er zusammen mit Martin Chemnitz zur Neuorganisation der Braunschweiger Kirche berufen. Andreaes Versuch, auf dem Zerbster Konvent im Mai 1570 eine innerlutherische Einigung zu erreichen, scheiterte am Widerspruch der Theologen Kursachsens, die auf dem Corpus doctrinae Philippicum als Lehrgrundlage bestanden. 1573 verfasste Andreae seine sechs „Predigten von den Spaltungen“, die später als Grundlage der Schwäbischen Konkordie dienten. 1576 wurde Andreae zur Neuordnung der sächsischen Kirche und Universitäten nach Kursachsen berufen, nachdem Kursachsen 1574 mit den Torgauer Artikeln eine deutliche anticalvinistische Wende vollzogen hatte. Im April 1576 wurde auf dem Torgauer Konvent das so genannte Torgauer Buch, eine Vorform der Konkordienformel, erstellt. Andreae verfasste eine kurze Zusammenfassung, die Epitome. Im Mai 1577 erhielt die Konkordienformel im Kloster Bergen bei Magdeburg ihre Endgestalt (Bergisches Buch). Von 1574–1581 führte Andreae Konkordiengespräche mit dem Patriarchen von Konstantinopel, die von orthodoxer Seite abgebrochen wurden. 1583 schrieb er gegen den von Christoph HERDESIANUS (1523–1585) verfassten calvinistischen „Consensus orthodoxus“. Das Mömpelgarder Religionsgespräch mit Beza über Abendmahl, Taufe, Christologie und Prädestination wurde 1586 ergebnislos abgebrochen. Andreae starb am 7. Januar 1590.

 

TRE 2, 672–680